Didaktik der Geschichte
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Forschungsreise nach Samoa:

Erinnerungskulturelle Brücken zwischen Deutschland und den pazifischen Inselstaaten

28.01.2026

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Wie wird sich in den ehemaligen pazifischen Kolonien an die deutsche Kolonialzeit erinnert? Im Rahmen eines durch das Auswärtige Amt geförderten Drittmittelprojekts „Erinnerungskulturelle Brücken zwischen Deutschland und den pazifischen Inselstaaten – Förderung der deutsch-samoanischen Beziehung im 21. Jahrhundert durch interkulturelle Verständigung“ unter der Leitung von PD Dr. Moritz Pöllath widmete sich die Forschungsreise dem Ziel, die Vermittlung der deutschen Geschichte im samoanischen Schulsystem sowie die Salienz kolonialistischer Narrative im Geschichtsunterricht anhand von Schulbesuchen und Lehrkraftbefragungen vor Ort zu erforschen. Dies erfolgte im Rahmen von oral history Interviews. Zusätzlich galt es, alltagsbezogene bildungspolitische Themen mit den Lehrkräften zu vertiefen, um das samoanische Bildungssystem den Lehrkräften in Deutschland näherzubringen und mögliche Kooperationen anzuregen.

Vor Ort besuchte das Team das Vaimauga College zur Jahresabschlussfeier (Bild oben), wo neben den Absolventen auch besondere außercurriculare und schulische Leistungen geehrt werden. Durch die Ehrung des „most-improved“ Schülers wird hier auch der Einsatz leistungsschwächerer Schüler honoriert und Anreize für den eigenen Bildungserfolg gesetzt. Im Nachgang trafen wir uns auch zu einem Interview mit einem Lehrer, der uns viele Probleme des Schulsystems schilderte. Betont wurde dabei immer wieder der Mangel an finanziellen Mitteln, wodurch es meist schon an einfachsten Dingen wie Tischen und Stühlen fehlt.

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Schule in Samoa


Eine besondere Ehre wurde dem Forschungsteam zuteil, als ein Interview mit dem ehemaligen Staatsoberhaupt Tui Atua Tupua Tamasese Efi, der 2014 auf Staatsbesuch in Deutschland war, möglich wurde: So konnten wir mit Tamasese Efi über die vergangenen Beziehungen beider Länder, seine persönlichen Verbindungen zu Deutschland und auch zukünftige Chancen zur Kooperation sprechen. Immer wieder hörten wir mit großem Nachdruck, dass in Samoa an die deutsch-samoanische Geschichte kritisch und zugleich wohlwollend erinnert wird und Deutschland noch immer ein hohes Ansehen genießt.

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ehem. Staatsoberhaupt Tamasese Efi (mitte)

Weitere Unterstützung für unsere Interviews erfuhren wir von Honorarkonsul Stefan Szegedi, der seit Kindheitstagen auf der Insel lebt. Szegedi bot uns bereitwillig seine Hilfe an, Kontakte herzustellen, und unterstützte auch ganz persönlich unser Forschungsinteresse, indem er uns von seinem eigenen Schulalltag auf Samoa berichtete. Dieses Interveiw bereicherte das oral history Projekt um eine weitere Perspektive auf die deutsch-samoanischen Beziehungen.

Unsere Erkenntnisse und noch offenstehende Fragen vertieften wir bei einem großen Abschlussevent mit den Lehrkräften, die wir über die Dauer unseres Aufenthaltes interviewen durften. Ebenfalls anwesend waren Vertreter der NUS (National University of Samoa), die uns Einblicke in die Hochschulausbildung von samoanischen Lehrkräften und die Rolle der Universität im samoanischen Schulwesen beleuchteten. In allen Interviews wurde nicht nur die Erinnerung an die gemeinsame Geschichte erörtet, von samoanischer Seite wurde auch das ernsthafte Interesse an mehr kulturellen Kontakten mit Deutschland formuliert, der Wunsch geäußert, einen Austausch von Lehrkräften zwischen beiden Ländern anzubahnen, und unterstrichen, wie wichtig tiefere wirtschaftliche Beziehungen für Samoa mit Deutschland wären.

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Lehrkräfte und Professorinnen der NUS beim Abschlussevent